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Und wie steht’s mit unserer Wahrnehmung der Wirklichkeit ?

Und wie steht’s mit unserer Wahrnehmung der Wirklichkeit ?

 

Mit dem Begriff „Wirklichkeit“ haben wir so unsere Schwierigkeiten. Was wir Wahrnehmung nennen, ist ein vielschichtiger und ineinander verwobener Prozess der Auswahl und Deutung von Sinneseindrücken im menschlichen Gehirn. So erscheint er uns jedoch nicht. Wir haben vielmehr den Eindruck, dass unsere Wahrnehmung in direktem Kontakt mit der Wirklichkeit steht. Das, was wir sehen, scheint uns unmittelbar gegeben zu sein, Töne und Geräusche dringen unvermittelt an unser Ohr, und das, was wir betasten und begreifen, erfahren wir unmittelbar als Gegenstände unserer Wirklichkeit. Wenn wir wahrnehmen, empfinden wir nichts Vermittelndes zwischen uns und der mit den Sinnen erfahrenen Welt.

 

Wenn Menschen etwa sagen: „Ich habe meinen Freund im Bus vorbeifahren sehen“ –, dann meinen sie eine Wahrnehmung, die sie der Aussenwelt zuordnen und der sie den Status der tatsächlichen Wirklichkeit und des sich Ereignenden ausserhalb von sich selbst zuordnen. Auf die gleiche Weise „real“ erleben Menschen die Welt ihres Körper: ihr Körperempfinden, ihre Schmerzen, ihre Körperbewegungen. Die reale Welt ist somit, wie jede andere Welt auch, eine Konstruktionsleistung des menschlichen Gehirns.

 

Der Kommunikationsforscher Paul Watzlawick teilt Wirklichkeit in verschiedene Ordnungen ein:

  • Die Wirklichkeit 1. Ordnung ist das, was wir täglich zusammen mit anderen Menschen erleben, was anhand von Experimenten und durch Wiederholungen ,,überprüfbar" ist, wie zum Beispiel die Form, Farbe, Duft, Geräusche von bestimmten Objekten. Diese Wirklichkeit basiert auf der Übereinstimmung in der sinnlichen Wahrnehmung und die Möglichkeit sich über diese zu verständigen. 
  • Die Wirklichkeit 2. Ordnung ist auf ein Individuum bezogen und mit ,,Grundannahmen" zu umschreiben, die wir über die Welt durch Erfahrung oder Nachahmung haben. Sie ist eng verbunden mit Sinn und Wertvorstellungen, die wir mit den Dingen an sich verbinden. Die zentrale Bedeutung des Überlebens macht es notwendig, die Erfahrungen sinnvoll zu ordnen. Mit Hilfe seines Ordnungsgefüges kann sich der Mensch eine Wahrnehmung und ein Verhalten entwickeln, das sein Überleben sichert. 
  • Die Wirklichkeit 3. Ordnung ist das mehr oder weniger ,,einheitliche Bild", das wir aus unserer Erfahrung heraus erschaffen. Diese Ebene der Wirklichkeit ist identisch mit unserem Weltbild bzw. unserer Weltanschauung.

Wie oben bereits dargelegt, geben Glaubenssätze (Grundannahmen; Wirklichkeit 2. Ordnung nach Watzlawick) unserem Leben Stabilität und Kontinuität und sichern unser Überleben. So müssen wir uns zum Beispiel nicht überlegen, ob der Stein, den wir fallen lassen, nach oben oder nach unten fällt, und uns auch nicht jeden Tag neu davon überzeugen, was passiert, wenn wir ohne uns umzuschauen über die Strasse laufen.

Andererseits hindern uns einschränkende Glaubenssätze daran, unsere Ziele zu erreichen und unser Potential zu entfalten. Glaubenssätzen, die in unserer Kindheit und Jugend entstanden sind, werden als Erwachsene nur selten überprüft. So bleiben sie in unserem Kopf bestehen, auch wenn sie schon lange nicht mehr zutreffen und nicht mehr zur Orientierung in der Umwelt dienlich sind, da wir nicht mehr in der selben Situation stehen und auch keine abhängigen kleinen Kinder mehr sind. Anhänger des Glaubenssatzes „Das schaffe ich sowieso nicht“, „Das geht nicht“, „Das darf ich nicht“ gehen mit wenig Kraft und Selbstvertrauen an die Erreichung ihrer Ziele. Auch kleinere Hindernisse oder Rückschläge werden sie als Bestätigung ihres Glaubenssatzes sehen, so dass sie am Ende ganz aufgeben, was wiederum ihren Glaubenssatz bestätigt.

 

Unsere Glaubenssätze verändern sich in der Regel, wenn wir wiederholt gegenteilige Erfahrungen machen. Oft kommt es aber erst gar nicht soweit, weil wir das, was wir - vermeintlich - nicht tun können, auch gar nicht wagen. Der effektivste Weg herauszufinden, wozu wir wirklich fähig sind, ist, so zu tun, 'als ob' wir es könnten. Damit unterziehen wir unsere Glaubenssätze einer Überprüfung und schaffen Raum für neue, positive Glaubenssätze. Gezielt ausgewählte ‚als ob’-Vorstellungen und Bildern bieten die Möglichkeit, unsere Glaubens- und Leitsätze im geschützten mentalen Raum zu prüfen, aktiv weiterzuentwickeln und gegebenenfalls neue Überzeugungen zu installieren. Wir können Glaubenssätze aufgeben, die uns einschränken, und Einstellungen aufbauen, die mehr Spass und Erfolg in unserer Leben bringen.

 

Das ‚innere Feuer’ (Wirklichkeit der 3. Ordnung nach Watzlawick) ist das Abbild der Werte eines Menschen. Es ist das, was ihn antreibt, was ihn von innen heraus motiviert. Dieses ‚innere Feuer’ (wieder) zu entdecken, an die Oberfläche zu holen und es für sich selbst und andere sicht- und nutzbar zu machen, ist neben der Überprüfung und Veränderung von Glaubenssätzen eine weiteres Element meiner Seminare und Coachings.

 

Nach meiner Erfahrung gibt es mehrere Wege, um herauszufinden, für was Ihr 'inneres Feuer’ brennt,. Doch ich bevorzuge folgende Methode:

Sie versetzen sich in eine Situation, die möglichst weit in der Zukunft liegt. Das kann das Abschlussfest Ihrer beruflichen Karriere sein, Ihr sechzigster Geburtstag oder Ihr Begräbnis. Klingt vielleicht ein wenig makaber, ist aber erfahrungsgemäss der wirksamste und gleichzeitig positiv berührendste Weg. Hören Sie sich in Gedanken an, was die Menschen sagen, was genau sie an Ihnen schätzen. Für was genau, für welche Werte Sie aus Sicht dieser Menschen stehen. Am Schluss ist das Erfahrene schliesslich nur noch zu verdichten.

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