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Nachtrag zum 1. August

was würde geschehen, wenn ich mich heute so verhalte?

 

Zur Erinnerung:

Landvogt Geßler treibt in der Talschaft Uri Steuern für die Grafen von Habsburg ein. Um deren Herrschaftsanspruch zu unterstreichen, pflanzt er seinen Hut auf einer Stange auf dem Dorfplatz von Altdorf auf und verlangt, dass jeder Vorbeigehende diesen grüßt.Wilhelm Tell, ein mit einer Armbrust bewaffneter Jäger, verweigert den Gruß. Gesslerweiss, dass Tell ein Meisterschütze ist und stellt ihn vor die Wahl, entweder einen Apfel vom Kopf seines Sohnes Walter zu schiessen oder zu sterben. Tell besteht die Probe, hat aber noch einen zweiten Pfeil bereit. Er gibt freimütig zu, dass er damit Gessler erschossen hätte, wenn der Apfelschuss misslungen wäre.

 

Was feiern wir also? Die Freiheit und den Widerstand!

Und dann schaue ich mir die Menschen an. Träge hängen ihre oft feisten Körper über dem ächzenden Sessel. Sie klagen über den Chef, das Wetter oder die da oben in Bern; es sei denn, sie bejubeln sich gerade selbst ("WIR Schweizer haben gewonnen!"). Frustriert, weil sie sich ihr Bier und das Fleisch vom obligaten Grill wegen der Hitze nun ohne Knallerei einverleiben müssen! 

Einige - es werden immer mehr - nutzen ihre freie Zeit, um sich für die Freiheit des Konsums fit zu halten, indem sie bei 30 Grad in die Pedale treten oder ihre Laufschuhe einem Hitzetest unterziehen. Stolz auf sich und ihren Überlebenswillen.

 

Doch wo ist der gelebte Freiheitswille und der Widerstand geblieben? Ja, die Rechte macht auf Widerstand gegen Aussen - Ausländer, EU ...

Aber der Büetzer, die Angestellte, die alleinerziehende Mutter, der Kleinsparer, die Rentnerin, der Arbeitslose ...?

 

Seit Jahren werden unsere Rechte gekürzt, unsere Alterssicherheit wird aufs Spielgesetz im Rennen um den Profit!

Die IV wurde revidiert (Achtung das Wort ist eine Nebelgranate!) zulasten der Behinderten. Das Schulsystem wurde umgebaut (Achtung das Wort ist eine Nebelgranate!) zugunsten der Wirtschaft und zulasten der Kinder. Und dann sind da noch das Sozialversicherungsrecht, die Rentenreform, die Steuerentlastungen zulasten des Mittelstandes ...

 

  • Wo ist der Widerstand gegen den Abbau der oft erst vor 100 Jahren hart erkämpften Recht?
  • Was muss noch geschehen, damit das Volk erwacht und sich nicht mehr mit "Brot und Spielen" abspeisen lässt?
  • Oder reicht dem Schweizer die Freiheit des Konsums?
  • Ist wir wirklich bereit, unserem Konsum die Humanität und unsere Erde zu opfern?

 

Was not tut, ist ein breiter, offener und transparenter Diskurs über die Ziele und Werte unserer Gesellschaft. 

 

Nach den Berechnungen des Bundesamtes für Statistik sind in der Schweiz über eine Million Menschen von Armut betroffen oder bedroht. Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: Längst nicht alle Menschen können am Gütersegen unserer Gesellschaft teilhaben. Sie sind statt dessen arm und stehen am Rand der Gesellschaft und dieser Rand wird immer breiter!

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