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Der Sand und der Strom

 Ein Strom, der von seiner Quelle hoch in den Bergen schon viele Landschaften durchquert hatte, erreichte eines Tages auch die Sandflächen der Wüste.

 

Bis hierhin war es ihm gelungen, jedes Hindernis zu überwinden. So warf er sich mit Macht gegen die Sanddünen, musste aber bald einsehen, dass - so sehr er sich auch bemühte - seine Wasser hoffnungslos im Sand versickerten.

 

Tief in ihm aber war die Überzeugung, dass es seine Bestimmung sei, die Wüste zu durchqueren.

 

Er war schon ganz verzweifelt, als er eine Stimme vernahm, die aus der Wüste selbst zu kommen schien: "Der Wind überquert die Wüste und das kann auch der Strom."

 

Der Strom meinte, dass er ja alles versucht habe, der Wind könne es nur, weil er fliegen könne.

 

"Wenn du dich hineinstürzt, kannst du es nicht schaffen, du musst dich vom Wind tragen lassen, dich dem Wind anvertrauen und dich von ihm aufsaugen lassen."

 

Diesen Gedanken konnte der Strom nicht gutheissen. Er wollte seine Identität nicht verlieren. Würde er sie je wieder erlangen?

 

Der Sand erklärte ihm, dass der Wind die Aufgabe habe, den Strom mitzunehmen und über die Wüste zu tragen. Danach liesse er ihn wieder fallen und daraus bildete sich erneut ein Strom.

 

Der Strom fragte: "Kann ich nicht der gleiche bleiben, der ich bin?"

 

"Das ist unmöglich", antwortete die Stimme. "Dein Wesentliches wird fort getragen und bildet erneut einen Strom. Du wirst wieder so heissen wie vorher, da du nicht weisst, weIcher Teil von dir der Wesentliche ist."

 

Auf diese Worte regte sich etwas tief in seinem Innern. So liess er sich vom Wind durch die Wüste tragen, fiel als Regen wieder zur Erde und bildete sich neu.

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