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Menschliche Grenzen

Das fängt im Umgang der Einzelnen untereinander an, mit der Höflichkeit, der Selbstbeherrschung (auch jener von Managern bei ihrem „Raubzug“  durch Unternehmungen), mit dem Einhalten von für ein friedliches Zusammenleben unabdingbaren Regeln und Gepflogenheiten. Und das hört im Grossen auf: mit dem Schutz des Lebens im Mutterleib und der Achtung des Lebensrechtes alter Menschen, auch wenn sie gebrechlich sind und Pflege kosten, und mit einer friedfertigen Gesinnung zwischen Völkern und Staaten. 

 

Aber das Reden von Menschenliebe und Humanität wird zum leeren Geschwätz, wenn wir nicht zunächst einmal lernen, Grenzen zu respektieren, die eigenen und die anderer. Und damit meine ich nicht nur die Regeln des Strassenverkehrs, sondern auch unser Verhalten in der Familie, in der Arbeitswelt, im öffentlichen Leben.  Ich denke an den zunehmend fehlenden Respekt gegenüber Mitmenschen anderer nationaler, sozialer oder religiöser Herkunft, die wir fast täglich ins unserem Land wahrnehmen können. Aber noch mehr schockiert mich, dass viele meiner Mitmenschen sich bereits an den Tonfall gewöhnt haben oder es zumindest nicht mehr wagen, gegen tätliche oder verbale Übergriffe einzuschreiten, für humanitäre Werte einzutreten. Ich denke an den fortschreitenden Abbau der früher hart erkämpften Sozialwerke durch die dem Kapital zugewandten Politiker. Aber noch mehr trifft es mich, wie oft gesunde, starke Mitglieder der Gesellschaft aus Angst, Gleichgültigkeit und Ignoranz dazu schweigen. Ich denke an die Übergriffe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, von welchen wir fast täglich lesen. Aber noch mehr bestürzt es mich, dass manchmal Eltern nicht mehr wagen, ihren Halbwüchsigen Grenzen aufzuzeigen, Grenzen, mit denen sie sich auseinandersetzen können, ein Mass, an dem sie wachsen könnten. 

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