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Verzeih-Ritual

Verzeihen und vergessen? Selbst wenn der grosse Wunsch besteht, zu verzeihen, macht sich doch oft Hilflosigkeit und Ratlosigkeit breit. Geht das überhaupt – negative Erfahrung aus dem Gehirn zu löschen und den „Kartoffelsack“ einfach zu entsorgen? Wir wollen jedoch nicht das Geschehene aus der Erinnerung auszumerzen, sondern auf eine aktive Art und Weise damit umzugehen. 

 

Rituale können dabei ganz wunderbar dazu beitragen, tatsächlich zu verzeihen und loszulassen. Ein symbolischer Akt, der mehr Wirkung entfalten kann; insbesondere dann, wenn ein Gespräch schlicht nicht (mehr) möglich ist; sei es, weil der Andere nicht mehr lebt oder sich einem Gespräch verweigert. 

 

Rituale? Du meinst, Du hast keine? Und was ist mit dem Kaffee am Nachmittag, dem wöchentlichen Jogging oder dem Krimi am Sonntagabend? Rituale begleiten uns durch das ganze Leben – auch wenn uns das nicht immer bewusst ist. Viele unserer Handlungen laufen ritualisiert ab, d.h.: automatisch und immer nach dem gleichen Muster. 

 

Ein mögliches Verzeih-Ritual:

Verfasse einen Brief an den Menschen, dem Du nicht verzeihen kannst. 

Schreibe den „alten Groll“ auf einen Zettel und drücke im Brief  a l l e Gefühle aus, die Du in der Sache jemals hattest oder hast. Übergib Deinen Brief nicht der Post, sondern dem Feuer.

Beobachte, wie ein Feuerchen diesen Teil Deiner Vergangenheit für immer verschlingt. Du kannst daraus eine Feier mit Kerzenlicht, Musik und schöner Kleidung machen. Wähle eine ruhige Stunde (Mitternacht?) und bekräftige zum Prasseln der Flammen: „Ich löse mich von altem Leid. Ich lasse los.“ Streue die Asche in den Wald oder in ein Gewässer. 

Selbstverständlich kannst Du Dein Ritual auch ganz anders gestalten. Wichtig ist einzig, dass es für Dich stimmig ist. Du kennst Dich am Besten !

 

John Lee hat einmal geschrieben: „Wut wird durch Frust hervorgerufen, weil die Welt in der einen oder anderen Art nicht so beschaffen ist, dass sie unsere Sehnsüchte erfüllt. Wut ist daher unvermeidlich, sie liegt mit uns in der Wiege und steht neben uns, wenn wir dem Tod ins Angesicht sehen. Als Menschen werden wir wütend. Auch Jesus und Gandhi wurden wütend“.

 

Akzeptiere also Deine Wut auf wen oder was auch immer und finde einen Weg, der Deiner Persönlichkeit entspricht, um sie auszudrücken. Und dann vergib – den Eltern, den Kindern, einem Verstorbenen, Kollegen, Nachbarn, dem Chef, einem Regime, dir selbst und Gott.

 

Verzeihen ist der Radiergummi, der die schmerzhafte Vergangenheit auslöscht und uns frei macht für inneren Frieden.

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