· 

Fülle und Neid

Nehmen wir doch als Anschauungsbeispiel den Neid (im Sinne des Nicht-habens, was der andere hat).

 

Über den Neid wurde schon viel geschrieben und geredet. In unserer Kultur gilt klar: Neid ist etwas Schlechtes.

 

Doch gleichzeitig verschaffen sich auch ganz andere Botschaften Gehör: „Geiz ist geil“ verkündet die Werbung, der Neid auf das Schnäppchen der anderen soll uns zum Konsum verleiten. Neid als Motor der Volkswirtschaft? 

 

Tatsächlich hat sich auch eine zweite Tradition herausgebildet, die im Neid keine Sünde mehr sieht, im Gegenteil: „Die Privilegierten müssen einsehen, dass es ein Menschenrecht auf Neid gibt“, brachte es vor einiger Zeit die linke Publikation „Kursbuch“ auf den Punkt.

 

Neid und Missgunst wären somit positiv zu bewerten, denn sie weisen auf Ungerechtigkeiten hin, die abgeschafft gehören.

 

Beide Richtungen sind aber nur zwei Seiten derselben – falschen – Medaille. Denn sie gehen davon aus, dass es wichtig ist Dinge zu haben und dass es von diesen zu wenige gibt.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0