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Das Gesetz der Harmonie

Das Gesetz der Harmonie könnte auch das Gesetz des Ausgleichs genannt werden, denn es wird immer wieder der Ausgleich gesucht; sei dies unter uns Menschen, in messbaren physikalischen, chemischen oder energetischen Prozessen. Jede Aktion oder Bewegung kann immer nur bis zu einer ganz bestimmten Position ausgeführt werden, bis eine entsprechende Gegenbewegung erfolgt, einem Pendel gleich. 

 

Bereits Pythagoras von Samos (570 v. Chr. bis nach 510 v. Chr.), bekannt durch seine mathematischen Leistungen, erachtete es als Grundsatz, dass die Natur und die Welt einem ordnenden Prinzip, dem Gesetz der Harmonie, unterworfen sind. In der antiken theoretischen  Medizin knüpfte an den Gedanken einer  naturphilosophische an und leitete aus dem harmonischen Mischungsverhältnis bestimmter Säfte die Gesundheit und aus dem Fehlen dieses Verhältnisses die Krankheit ab. Die mittelalterliche Lehre von den verschiedenen Temperamenten der Menschen auf Grund eines bestimmten Maßes der Mischung der Grundsäfte des Körpers setzte die antike Tradition fort.

 

Die ayurvedische Gesundheitslehre wie auch die heutige europäische Naturheilkunde folgen diesem Gesetz: Wenn sich ein Element in den Organismus einschleicht, das diesem Gesetz der Harmonie nicht gehorcht und so Störungen verursacht. Das gleiche Phänomen geschieht im psychischen Organismus. Wenn der Mensch durch seine Gedanken, Gefühle und Wünsche Elemente in sich eindringen lässt, die nicht in Harmonie mit seinem ganzen inneren Wesen schwingen, dann lässt er damit auch Krankheit in sich hinein. Wer z.B. ständig nur arbeitet, alles andere vernachlässigt, den zwingt das Leben dazu, einen Ausgleich herbei zu führen. Und so kann es sein, dass ein solcher Workaholic durch Krankheiten zur Ruhe gezwungen wird. Hören wir nicht auf diese Botschaften, so zwingen wir das Leben zu einer größeren Korrektur, z.B. durch Herzinfarkt. Denn: wer ständig unter Anspannung steht, benötigt Entspannung.

 

Auch in der Weltanschauung von Konfuzius (vermutlich von 551 v. Chr. bis 479 v. Chr.) spielt der Gedanke der Harmonie eine bedeutende Rolle: „Den Angelpunkt zu finden, der unser sittliches Wesen mit der allumfassenden Ordnung, der zentralen Harmonie vereint“, sah Konfuzius als das höchste menschliche Ziel an. „Harmonie und Mitte, Gleichmut und Gleichgewicht“ seien das Ziel.

 

Platon (427 v. Chr. bis 347 v. Chr.) stützte sich auf den Harmoniebegriff als Beleg seiner Ideenlehre. So entwickelte er Gedanken von den "Atomen", die aus Dreiecken bestehen, von der Harmonie des Kosmos, der Töne u. a. und übertrug sie auch in die Staatslehre.

 

Harmonie ist auch ein prägender Begriff von Leibniz' Philosophie (Gottfried Wilhelm Freiherr von Leibniz vom 1. Juli 1646 bis 14. November 1716). Er beschreibt Harmonie als Summe von unendlich vielen, unendlich kleinen Krafteinheiten, sogenannten Monaden, den Urbestandteilen der Weltsubstanz, die durch Gott vereint wurden und so die Welt zusammenhalten. 

 

G.W.F. Hegel (27. August 1770 bis 14. November 1831) bezeichnete mit Harmonie eine bestimmte Phase des dialektischen Widerspruchs, und zwar jene, in dem sich das qualitativ Verschiedene nicht nur als Gegensatz und Widerspruch darstellt, sondern "eine zusammenstimmende Einheit" bildet. 

 

In den asiatischen Kampfsportdisziplinen wie Kung Fu oder Judo  besagt das Gesetz der Harmonie, dass man mit und nicht gegen die Kraft des Gegners wirken soll. 

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