Versuch einer Gliederung der Selbst-

Im Zusammenhang mit meinem Auftritt in Swissdate vom 18. April 09 als Kandidatin wurde ich von verschiedenen Menschen angesprochen. Der Grundtenor war: „ ich könnte das nicht….“, „ ich würde mich nicht trauen…“, „ ich würde schon auch wollen, aber die andern könnten denken…“. Es war eine interessante Erfahrung dieses Konfrontation mit sich selbst und der Frage, wie gehe ich mit mir selbst um, hat mein Selbstcoaching gefruchtet ?

Ja, wie frei sind wir ? Wer entscheidet wie wir leben ? Wer entscheidet, wann wir aufstehen, wie und was wir arbeiten ? Wozu tun wir, was wir tun ? In wieweit sind wir selbstbestimmt oder fremdbestimmt ?

1. Selbstbestimmtheit, was ist das ?

Wenn Sie den Begriff „Selbstbestimmtheit“ googlen, erhalten Sie 23’800 Hinweise, welche sich mehrheitlich mit Motivationstheorien (intrinische/exstrinische Motivation) auseinandersetzen, d.h. mit der Frage ,wie Menschen zu Leistungen, ja zu Höchstleistungen motiviert werden können.

Auf eine Internetseite fand sich folgende Definition:
Selbstbestimmtheit bedeutet: Man weiß mit Sicherheit, was das Richtige für einen ist. Das nimmt man sich vor und führt es bis zum guten Gelingen aus, egal wie lange es dauern mag. Man geht seinen Weg, unbeeinflusst von Ängsten, Zwängen oder Zweifeln. …. wer selbstbestimmt handelt, übernimmt volle Verantwortung für sein Tun.
Die Forderung, wonach nur selbstbestimmt handle, wer dies unbeeinflusst von Zweifel und Ängsten tue, verkennt meines Erachtens die begrenzte Wirkung unseres Bewusstseins resp. den immensen Einfluss des Unbewussten, dem Ängste entspringen. Die Gewissheit, den richtigen Weg gewählt haben wiederum entspringt nicht der Selbstbestimmtheit, sondern dem Selbstvertrauen. Und der genannte Durchhaltewille ist Folge der Selbstbestimmung und nicht deren Kerngehalt. Schliesslich kann jemand auch unter Drohung sprich aufgrund von Ängsten eine Tätigkeit unter schwierigsten Bedingungen bis zur Vollendung durchführen. Dieser Definition kann ich nur insofern zustimmen, als dass Selbstbestimmtheit, Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein in engem Zusammenhang verknüpft stehen und einander wechselseitig bedingen.

Auch Titel wie „Eine Stück Freiheit und Selbstbestimmtheit“ treffen meines Erachtens den wesentlichen Kern nicht, nämlich das Potenzial von Selbstbestimmtheit für die Lebensgestaltung und Lebenslust. Reicht ein Stück Freiheit ?


2. Versuch einer Gliederung der Selbst-

Ich wage den Versuch, einige Selbst-… kurz zu definieren, so wie ich sie (auch in den Impuls-Briefen) verstehe und verwende.

Selbstbestimmtheit
Selbstbestimmtheit setzt den Glauben des Menschen an die Wirksamkeit seines Handelns voraus. Ein Mensch, der daran glaubt, selbst etwas zu bewirken und auch in schwierigen Situationen selbstständig handeln zu können, hat eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung Ein Mensch ohne diese wird sich schwerer damit tun, selber zu bestimmen, wie er handelt, und sich in der Regel lieber lenken lassen und sich der Fremdbestimmung überlassen. Selbstbestimmt handelt ein Mensch, wenn er sich seiner Stärken und Schwächen bewusst, mit dem Glauben an die Wirksamkeit seines Handelns und an eine tatsächliche Wahlmöglichkeit, den seinen Werten und Zielen entsprechenden Weg geht.

Selbstvertrauen
Selbstvertrauen resultiert aus dem Vergleich der vermeintlichen subjektiven Fähigkeiten und der Selbstwirksamkeit mit den Anforderungen, mit denen sich der Mensch konfrontiert sieht. Selbstvertrauen zeigt sich bei einem Mensch, wenn er der tiefen Überzeugung ist, in den zu erwartenden Lebenslagen über die notwenigen Ressourcen (Fähigkeiten) zu verfügen, um diese zu bewältigen. Untersuchungen zeigen, dass Personen mit einem starkem Glauben an die eigene Kompetenz grössere Ausdauer bei der Bewältigung von Aufgaben, eine niedrigere Anfälligkeit für Angststörungen und Depressionen und mehr Erfolge in der Ausbildung und im Berufsleben aufweisen; was wiederum dazu beiträgt, das Selbstvertrauen zu festigen. Nur wer sich selbst vertraut, vermag anderen, dem Leben zu vertrauen.

Selbstbewusstsein
Selbstbewusstsein meint das bewusste Erkennen seiner selbst, seiner Schwächen und Stärken. Erst wer sich seiner Ressourcen bewusst ist und diese wahrnimmt, d.h. für wahr nimmt und kann bestimmen wo und wie er diese einsetzt. Ohne diese fundamentale Kenntnis von uns selbst, bleiben wir leicht Spielball und Marionetten, Einflüsterungen und Manipulationen ausgeliefert.

Selbstverantwortung
Selbstverantwortung bezeichnet die Fähigkeit und die Bereitschaft, für das eigene Handeln und Unterlassen Verantwortung zu tragen. Das bedeutet, dass man für sich selbst sorgt und dass man für die eigenen Taten einsteht und die Konsequenzen dafür trägt. Selbstverantwortung kann indes wiederum nur ein Mensch übernehmen, der sich über sein Handeln Rechenschaft ablegt, der sich im Bewusstsein seiner Stärken und Schwächen in Frage stellt und um Kenntnis darüber zu erlangen, welche Wirkungen er damit erzielt.

Selbstachtung
Selbstachtung bezeichnet die allumfassende Annahme seiner selbst in Form eines uneingeschränkten “Ich bin OK !“. Sie umfasst wesentliche Teile des Selbstvertrauens, und fügt diesen zusätzlich die Annahme der Schwächen hinzu. Dies setzt Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen voraus. Denn nur wer sich und andern, d.h. dem Leben vertraut, vermag gnädig zu sein, mit sich und anderen und zu verzeihen.