Aufschieberitis (in Englisch: Procrastination)

Gehören Sie zu jenen Menschen, die Unliebsames gerne auf die lange Bank schieben ? Zu jenen, die die Steuererklärung erst abgeben, wenn der Umschlag schon vergilbt ist und kurz vor dem Zerfall steht ? Wie lange schon verschieben Sie Ihren nächsten Karriereschritt? Gibt es manchmal Aufgaben, die wochenlang täglich wieder aufgeschoben werden? Wann endlich wollen Sie mit Ihrer Familie über Ihr Testament sprechen?

Etwa jeder vierte Menschen ist diesem Phänomen hilflos ausgeliefert. Aufschieberitis ist nicht nur eine ärgerliche Energieverschwendung, sondern untergräbt auf Dauer auch das Selbstwertgefühl. Man schafft nicht das, was man sich vornimmt und zweifelt bald an der eigenen Leistungsfähigkeit.

Zunächst: Aufschieben hat nichts mit Faulheit zu tun. Auch sehr tüchtige Menschen schieben auf, ohne dass sie dies selbst erkennen. Auch beim versteckten Aufschieben verschwenden wir Zeit und Kraft. Und so kommen auch tüchtige Menschen, die selektiv aufschieben, nicht dazu, all das zu erledigen, was sie wirklich gerne anpacken würden. Beispiele gefällig ?

Man vergibt hohe Prioritäten für eilige und angenehme Aufgaben und gaukelt sich selbst vor, ständig an den wichtigsten Aufgaben zu arbeiten und für bestimmte andere Aufgaben eben einfach keine Zeit zu haben.

„Der morgige Tag ist geeigneter für die Lösung gerade dieses Problems, denn das will ich in optimaler Frische, bester Laune, gleich früh morgens usw erledigen“.

Zuhause fällt Ihnen ein, was Sie im Büro unbedingt machen sollten und in der Hektik des nächsten Morgens ist es dann wieder vergessen. [Diese Klippe ist leicht zu umschiffen: Haben Sie immer Papier und Bleistift dabei !]

Und Sie kennen sicher die Geschichte des Holzfällers, der mit einer stumpfen Axt sehr hart arbeiten muss und einfach keine Zeit findet, seine Axt zu schärfen ?

Oder dieses Beispiel einer ausgewachsenen Aufschieberitis

Natürlich gibt es auch Dinge im Leben, die wirklich Zeit brauchen. So ist jemand, der bewusst den nächsten Karrieresprung vertagt, bis das jüngste Kind zur Schule geht, ist allein deswegen kein Aufschieber. Und einige Dinge, die man aufschiebt, liegen finanziell einfach nicht drin; in diesem Fall kann das Aufschieben von Konsumwünschen durchaus vernünftig sein und hat nichts zu tun mit Aufschieberitits.

Und dann gibt es noch die einige Dinge, die sich durch Liegenlassen ganz von alleine erledigen; die Steuererklärung gehört – leider - nicht dazu.

Da Aufschieberitis aber nicht nur eine ärgerliche Energieverschwendung ist, sondern auf Dauer auch das Selbstwertgefühl untergräbt - Man schafft nicht das, was man sich vornimmt und zweifelt bald an der eigenen Leistungsfähigkeit, macht sich Vorwürfe und hat Schuldgefühle - macht es durchaus Sinn, etwas gegen diese zu unternehmen.
Aufschieberitis kann ganz verschiedene Ursachen haben, wie z.B.:
  • schlichte Unlust, weil die Sache einfach keinen Spass macht
  • mangelnde Motivation, weil der Sinn der Tätigkeit entweder nicht klar oder zu gering ist
  • ein Trotzgefühl, das aus früheren Ereignissen immer noch aktiv ist und dafür sorgt "dass man doch nicht das macht, was andere von einem erwarten",
  • schlechte Organisation
  • mangelnde Erfolgserlebnisse
  • ein „schlechtes“, wenig hilfreiches Bild von sich als Aufschieber
  • …..

Einige dieser Ursachen können wir in drei Schritten auflösen:

1) Wir entschliessen uns bedingungslos dazu, unseren Hang zum Aufschieben hinter uns zu lassen.

2) Wir schauen uns uns genau und vorbehaltslos an:

  • Fürchten wir uns vor dem Versagen bei einer Tätigkeit ?
  • Haben wir schlechte Erfahrungen gemacht ?
  • Langweilt uns etwas ?
  • Wer sind wir und was wollen wir ?

3) Wir lernen Dinge, die wir gerne aufschieben umzudeuten.

Beispiel:

1) Ich gehe nicht gerne einkaufen, möchte dies aber gerne lieber machen, weil es ohnehin unausweichlich ist.

2) Ich werde mir bewusst, dass ich im Wesentlichen einkaufen muss, weil ich Familie habe, d.h. ich habe das Gefühl, nicht aus freien Stücken sondern fremdbestimmt zu handeln. Zudem langweilt es mich immer wieder die gleichen Dinge nach Hause zutragen (Sisyphus lässt grüssen).

3) Ich kann mir bewusst werden, dass ich gar nicht so fremdbestimmt handle.
Ich gehe zwar für die Familie einkaufen, aber ich tue dies, weil:
  • ich in einem Land lebe, in welchem es frei käufliche Dinge gibt,
  • ich über die nötigen Mittel verfüge,
  • ich meine Familien gut ernährt und versorgt wissen möchte,
  • ich mir zutraue, das hierfür Notwendige tun zu können,
  • ich…

Ich kann zudem der Tätigkeit „Einkaufen“ wider den Trott eine spielerische Note geben, indem:
  • ich bewusst auswähle, was ich wann kaufe, und nicht dies wie ein Roboter auf eine Funktion reduziert tue,
  • ich mich auf Veränderungen in meinem Stammgeschäft fokussiere oder die Geschäfte immer mal wieder wechsle,
  • ich den sozialen Aspekt des Einkaufens hebe und ein kurzes, beiläufiges, aber freundliches Gespräch mit Mitkäufern oder der Kassiererin führe und damit die Welt ein kleines Stück lebenswerter gestalte.

Haben wir nicht alle im Kindergarten gerne Krämer gespielt ?

Versuchen Sie es !

Und falls Sie dabei etwas Unterstützung möchten, coache ich Sie gern durch Iheren Perspektivenwechsel zur Ihrer Umdeutung.